Ort: Maschinenraum Sektion 3, TSD Darkness
Charaktere: Staff Petty Officer Mijara "Aki" Akira Adams, CPO Olea Asterlake
Status: Gespräch nach dem Schichtwechsel / Vertiefung zur DT-Spezialisierung
Aki hörte zu – ohne zu unterbrechen. Ihre Hände ruhten auf der Konsole, doch ihr Blick war bei Olea. Dieser leichtfüßige, direkte Stil, der so gar nicht zu ihrer Welt passte, war genau deshalb faszinierend. Zwischen all den Schaltplänen, Subsystemdiagnosen und neuronalen Modellen war sie selten auf jemanden getroffen, der gleichzeitig so bodenständig und so unerschrocken wirkte.
„Ja, Aki passt. Nur meine Mutter nennt mich bei vollem Namen – und das meistens in diplomatischen Krisensituationen.“ Ein winziger Anflug von Ironie, kaum sichtbar.
Dann wurde sie ernster. „Und... das mit dem Aufstehen – klingt witzig, aber es ist verdammt wahr. Die Entscheidung beginnt nicht beim Code. Sie beginnt bei uns. Wir drücken den Knopf. Wir stellen den Timer. Wir bauen den Pfad.“ Sie deutete mit einem leichten Nicken auf das neue Jägermodell im Nebenhangar. „Das ist übrigens kein Taral. Zumindest keiner im eigentlichen Sinne. Kein Serienmodell, kein offiziell freigegebener DO-Prototyp. Es ist... was Neues. Basierend auf Taral-Daten, aber imperial, modular. Ich vermute eine abgespeckte Kopie, oder... ein Derivat. Genau das macht ihn interessant.“
Sie löste sich von der Konsole, trat näher an das Fenster, durch das der Jäger zu sehen war. Die Linien des Modells wirkten vertraut – aber etwas fehlte. Die Schatten waren anders. „Er heißt noch nicht mal Taral. Hat keinen Codenamen. Nur eine Nummer. Das macht ihn zur Projektionsfläche.“ Aki sprach fast mehr zu sich selbst als zu Olea. Dann drehte sie sich wieder zur Sicherheitsoffizierin um.
„DT steht für Dynamische Technologieintegration. Spezialzugang zu modularen Systemdaten, Steuerlogik von Einsatzkomponenten, adaptive Firmware. Kurz: Ich darf offiziell an den denkenden Maschinen kratzen.“ Ein kurzes, spitzes Lächeln.
„Was ich plane?“ Aki streckte die Finger, als würde sie Gedanken sortieren. „Ein Mehrschichtmodell. Schicht 1: Vorhersagebasierte Mustererkennung. Nichts Großes – Bewegungslogik, Reaktionsabläufe. Schicht 2: adaptive Routenwahl. Reagieren auf Störfaktoren, die nicht explizit im Code stehen. Schicht 3:...“ Sie zögerte kurz. „Kontextbasierte Entscheidungsmodelle. Noch im Experiment. Ziel ist nicht Autonomie. Ziel ist Relevanz. Wenn eine Maschine versteht, wann sie wartet, wann sie handelt, wann sie schweigt – dann wird sie nützlich. Nicht nur gefährlich.“
Sie atmete flach durch, ließ sich gegen die Konsole zurücksinken. „Ich weiß, das klingt theoretisch. Und vielleicht ein bisschen größenwahnsinnig. Aber ich hab damals gesehen, was passiert, wenn Entscheidungen fehlen. Mein kleiner Bruder... er ist gestorben, weil niemand die Entscheidung getroffen hat, da zu sein. Weil alle dachten, das System würde es schon regeln. Ich will keine Systeme, die einfach nur reagieren. Ich will Systeme, die begreifen, wann sie gebraucht werden.“ Ihre Stimme war noch immer ruhig – aber da war etwas Tieferes darin. Eine Überzeugung, die unter der Oberfläche brannte.
Dann richtete sie sich auf, streckte den Nacken und wandte sich wieder Olea zu. „Und was dich betrifft: Du bist keine, die viel fragt. Du machst einfach. Und genau deshalb funktioniert's. Vielleicht bin ich die, die zu viel denkt – und du die, die zur richtigen Zeit handelt. Vielleicht braucht’s beides.“ Ein fast versöhnliches Lächeln.
„Übrigens... das war nicht nur ein Danke von vorhin. Es war auch ein Angebot.“ Aki tippte auf das Pad, das an ihrer Hüfte hing, und ein schematischer Aufbau des Jägers erschien auf dem kleinen Holoprojektor. „Wenn du mal wissen willst, wie dein Gegner denkt – oder denken könnte – komm vorbei. Ich kann dir zeigen, wie ein neuronales Simulationsmodell aussieht, bevor es zuckt.“ Ihre Stimme war nüchtern. Aber in ihrem Blick lag etwas Aufrichtiges. Kein Test. Keine Lehre. Eine Einladung.